"Bauhaus: Art as Life"

T. Lux Feininger, Der Sprung über das Bauhaus, 1927

T. Lux Feininger, Der Sprung über das Bauhaus, 1927

Die Ausstellung "Bauhaus: Art as Life“ präsentiert die weltweit bekannteste Kunst- und Gestaltungsschule der Moderne. Das Bauhaus hatte den erzieherischen und sozialen Anspruch, in die Gesellschaft zu wirken. "Bauhaus: Art as Life“ zeigt auf 1.500 qm Ausstellungsfläche, wie sich diese utopische, progressive Haltung in der kurzen Zeit des Bestehens der Schule (1919-1933) in einem breiten Spektrum der am Bauhaus geschaffenen Arbeiten, der experimentellen Lehrmethoden und der unkonventionellen Art des dortigen Zusammenlebens widerspiegelte. Mit einer dynamischen Inszenierung verwandelt sich die Barbican Art Gallery in eine Reihe dramatischer und intimer Räume. Die thematisch organisierte, grob chronologisch geordnete Ausstellung feiert das Leben am Bauhaus, das von einem experimentierfreudigen, gemeinschaftsorientierten und spielerischen Geist geprägt war.

 

Ausstellung

"Bauhaus: Art as Life“ ist eine Ausstellung der Barbican Art Gallery in Kooperation mit dem Bauhaus-Archiv Berlin / Museum für Gestaltung, der Stiftung Bauhaus Dessau und der Klassik Stiftung Weimar. Co-Kuratorinnen der Ausstellung sind Catherine Ince und Lydia Yee von Seiten des Barbican, verantwortlich für die Gestaltung ist das Architekturbüro Carmody Groarke in Zusammenarbeit mit der Grafikdesignfirma A Practice For Everyday Life (APFEL). „Bauhaus: Art as Life“ schöpft aus den beispiellosen Sammlungen des Berliner Bauhaus-Archivs / Museum für Gestaltung, der Stiftung Bauhaus Dessau und der Klassik Stiftung Weimer; weitere Exponate stammen von prominenten Leihgebern wie dem Centre Georges Pompidou, dem Harvard Art Museum, dem Busch-Reisinger Museum, der Josef and Anni Albers Foundation, dem New Yorker Museum of Modern Art und dem Zentrum Paul Klee.

 

Leihgaben aus Deutschland

Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung Berlin hat dem Barbican 180 Objekte zur Verfügung gestellt. Die Schwerpunkte der Leihgaben liegen auf Skulptur, Unterricht, Fotografie, Grafik, Architektur sowie Dokumenten zum Leben am Bauhaus. Eines der Schlüsselwerke im Bereich der Fotografie ist T. Lux Feiningers "Sprung über das Bauhaus" aus dem Jahr 1927. Die Verwendung der berühmten Fotografie als visuelles Hauptmotiv der Londoner Ausstellung ist eine Hommage an den 2011 verstorbenen Bauhäusler und stellt einen Zusammenhang zu den Olympischen Spielen 2012 her. Eugen Batz‘ Arbeit zur räumlichen Wirkung von Farben und Formen aus dem Unterricht von Wassily Kandinsky aus dem Jahr 1929 wurde zum Inbegriff der Bauhaus-Ästhetik. Alfred Arndts 1926 entstandene Farbpläne für die Außengestaltung der Meisterdoppelhäuser in Dessau lassen durch die damals übliche, heute kaum noch eingesetzte Isometrie die Farbakzente einzelner Bauteile besonders hervortreten. Die 1926 von Anni Albers in der Bauhaus-Weberei gestaltete Flügeldecke verkörpert die meisterhafte Vereinigung von Kunst, Handwerk und technischer Präzision am Bauhaus. Eberhard Schrammens am Bauhaus um 1924 geschaffenes Maskottchen eröffnet einen ungewöhnlichen Einblick in das Bauhaus und überträgt Schlemmers Theaterästhetik in die Skulptur.

Die Stiftung Bauhaus Dessau wird mit über 100 Objekten an der Londoner Ausstellung beteiligt sein, darunter befinden sich viele Drucksachen und Fotografien. Zu den Schlüsselobjekten zählt das Bauhauskleid von Lis Volger aus dem Jahr 1928, das – in der Webereiwerkstatt des Dessauer Bauhauses entstanden – aus dem Nachlass von Carl Fieger stammt und als äußerst selten gilt. In öffentlichen Sammlungen konnten bislang nur zwei "Bauhauskleider" nachgewiesen werden. Von besonderer Bedeutung ist auch die Zeichnung für die Petersschule in Basel, mit der sich Hannes Meyer 1926 als Leiter der Architekturabteilung vorstellte. Das Schweizer Projekt ist außerdem das erste Ergebnis der Zusammenarbeit mit Hans Wittwer. Aus dem von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Wohngebäude für die Weißenhof-Ausstellung in Stuttgart stammt der Armlehnsessel MR 20, der auch Weißenhof-Sessel genannt wird. Er wurde 1927 von der Firma Berliner Metallgewerbe Josef Müller produziert. Nachdem Mies van der Rohe die Möbel zunächst in seinem eigenen Haus genutzt hatte, schenkte er sie später dem Berliner Architekten und Bildhauer Paul Rudolph Henning.

Die Klassik Stiftung Weimar gibt rund 70 Objekte als Leihgaben in die große Bauhaus-Schau. Darunter befindet sich das Arbeitsmodell zum Denkmal der Märzgefallenen des Kapp-Putsches auf dem Weimarer Hauptfriedhof von 1921. Mit diesem Entwurf hatte sich Walter Gropius bei einem Wettbewerb durchgesetzt. Seine expressiv-blitzartigen Formen werden als Ausdruck des Strebens nach einer besseren Welt gedeutet. Ein selten gezeigtes Objekt ist der Wandbehang "Schwarz-Weiß", den Gunta Stölzl in den Jahren 1923/34 fertigte. Der Halbgobelin zählt zu den herausragenden Werken der Webereiwerkstatt, in der figurative und organische Bildkompositionen zunehmend abstrakt-geometrischen wichen. Die sechsteilige Mokka-Maschine nach dem Entwurf Theodor Boglers aus dem Jahr 1923 entsprach der Anforderung von Walter Gropius an die keramische Werkstatt, neue Form- und Modellbautechniken zur seriellen Produktion von Gebrauchskeramik zu entwickeln. Durch die Aufteilung in Module und deren standardmäßige Typisierung entsprach die Mokka-Maschine der von Gropius geforderten "Einheit in der Vielfalt" und seiner Neuorientierung für das Bauhaus unter dem Motto "Kunst und Technik – eine neue Einheit".

 

Rahmenprogramm

„Bauhaus: Art as Life“ (3. Mai – 12. August 2012) wird von einem umfassenden Begleitangebot aus Vorträgen, Workshops, Führungen, Filmen und einem Kostümfest ergänzt. Das Kostümfest “Bauhaus: Art as Life” ist Teil eines 12-stündigen Sonderevents mit dem Titel "Bauhaus by Day, Bauhaus by Night" (23. Juni). Zum Programm gehören Kurse zur Herstellung von Flugdrachen, Handpuppen und Accessoires, die Präsentation "Play Bauhaus – Jam Out" aus der Dessauer Bauhausbühne und das Kostümfest "Bauhaus: Art as Life". Im "Arts School Lab" (2.-14. Juli), einer zweiwöchigen experimentalen Kunstschule, geht es um die Frage, wie sich mit Methoden und Konzepten des historischen Bauhauses heute immer noch oder wieder neu gestalterische Kreativität stimulieren lässt. Künstler und Gestalter aus allen Disziplinen sind dazu eingeladen, dies in einer Reihe von Workshops in London und Dessau auszuprobieren. Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen unter barbican.org.uk.

Höhepunkte der Vortragsreihe bilden Gastveranstaltungen mit den Nachkommen eminenter Schüler und Meister des Bauhauses. Peter Fischli, der Sohn Hans Fischlis und selbst ein bekannter zeitgenössischer Künstler, erzählt vom Einfluss der wegweisenden Schule auf das Leben der Familie Fischli (3. Mai). Gunta Stölzl, die Mutter Monika Stadlers, erreichte als einzige weibliche Meisterin am Bauhaus große Bekanntheit für ihre bahnbrechenden Webereien. In ihrem Vortrag berichtet Monika Stadler von den Erinnerungen ihrer Mutter an die Zeit am Bauhaus und die Jahre danach (14. Juni). Huttula Moholy-Nagy stellt "Permanent Experiment" als Teil eines besonderen Filmtages vor, der zur Ehre ihres Vaters, des Bauhaus-Meisters László Moholy-Nagy, veranstaltet wird (26. Mai). Zu den weiteren Vortragenden zählen Nicholas Fox Weber, Direktor der Josef and Anni Albers Foundation (10. Mai), und Louisa Hutton, Mitbegründerin des namhaften Architekturbüros Sauerbruch Hutton (12. Juli). Die wichtige Rolle von Typografie und Kommunikationsdesign am Bauhaus wird in einem Vortrag von Typograf Erik Spiekermann thematisiert (Termin folgt). Andy Groarke vom Architektenbüro Carmody Groarke und Kirsty Carter von der Designfirma APFEL berichten über das Bauhaus als Inspirationsquelle für ihre Gestaltung der Ausstellung "Bauhaus: Art as Life" (31. Mai).

Ein weiteres Highlight bildet "Play Bauhaus", ein neu an der Dessauer Bauhausbühne entwickelter Wochenendkurs zum Theater am Bauhaus. Er wird vom künstlerischen Direktor Torsten Blume und der Tänzerin Yun-Ju Chen geleitet. Durch die Kombination von Theorie und praktischen Übungen werden verschiedene Aspekte des zeitgenössischen Theaters und der Performance-Kunst erprobt auf der Grundlage von Ideen, die ursprünglich am Bauhaus entwickelt wurden (23.-24. Juni). Parallel zu "Bauhaus: Art as Life" veranstaltet das Barbican Cinema ein einwöchiges Themenprogramm unter dem Titel "Bauhaus Film Season" (25.-31. Mai). Die Vorführungen reichen von Kurzfilmen bis zu Dokumentarfilmen über moderne Gestaltung und Architektur, ergänzt durch Filmgespräche und Podiumsdiskussionen.

 

Ausstellungskatalog

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Fachbeiträgen von Mitarbeitern der drei Bauhaus-Einrichtungen, herausgegeben von der Barbican Art Gallery zusammen mit dem Verlag der Buchhandlung Walther König. Der Katalog enthält auch eine Reihe Originalschriften von Bauhaus-Künstlern, darunter bereits publizierte Texte und persönliche Korrespondenz.