Moderne auf eiszeitlichem Sandhügel

Moderne auf eiszeitlichem Sandhügel
Krefelder Golfclub von Mies van der Rohe soll als Modell in Originalgröße wiederentstehen

Ein Entwurf Ludwig Mies van der Rohes soll im kommenden Jahr in Krefeld als Modell in Originalgröße umgesetzt werden. Der Verein "Mies van der Rohe in Krefeld" plant, das 1930 entworfene, aber nicht realisierte Gebäude eines Golfclubs am einst vorgesehenen Standort aus Stahl und Sperrholz errichten zu lassen. Die Kosten schätzt der Verein auf rund 500.000 Euro, wie die Stadt Krefeld mitteilte. 60 Prozent davon stünden bereits zur Verfügung.

Im Jahr 1930 arbeitet Ludwig Mies van der Rohe an drei Projekten für Krefelder Auftraggeber. Eines davon ist der Entwurf für ein Clubhaus. Damit nimmt Mies an dem Wettbewerb teil, zu dem ihn der neu gegründete Krefelder Golfclub eingeladen hat. Mies entwickelt für den vorgesehenen Standort auf einem eiszeitlichen Sandhügel am Krefelder Stadtrand ein spektakuläres, einstöckiges Gebäude mit einem Flachdach, dessen einzelne Flügel kreuzförmig in die Landschaft ragen. Mehr als bei allen seinen vorangegangenen Bauten kann Mies hier seine Idee von einer Verbindung von Innen- und Außenraum, den Dialog von Architektur und umgebender Landschaft realisieren.

Computervisualisierungen nach dem Entwurf des Golfclubhauses in Krefeld von Mies van der Rohe, 1930

Computervisualisierungen nach dem Entwurf des Golfclubhauses in Krefeld von Mies van der Rohe, 1930

Computervisualisierungen nach dem Entwurf des Golfclubhauses in Krefeld von Mies van der Rohe, 1930
Modell

Gerade weil Mies in den Plänen für den Golfclub seine zentralen Ideen umsetzen konnte, erscheint eine Realisierung des Entwurfs in Form eines Modells in Originalgröße ebenso spannend wie aufschlussreich. Dadurch wird nicht nur deutlich gemacht, welch ein bedeutendes Bauwerk Krefeld bekommen hätte, hätte nicht die Weltwirtschaftskrise die Finanzierung verhindert. Vor allem lassen sich an einem solchen begehbaren Modell die Grundprinzipien von Mies’ architektonischem Denken deutlich machen. Die geniale Art und Weise, wie Mies van der Rohe den umbauten Raum in die Landschaft einfügte, wird durch die dreidimensionale Realisation erlebbar. In dem Entwurf für den Golfclub führte Mies van der Rohe sein ausgereiftes Formrepertoire vor.

Grundlage für den Bau des Modells sind die von Mies als „endgültiger Entwurf“ bezeichneten Pläne, die sich im Nachlass des Architekten im Museum of Modern Art in New York befinden. Mies konzipierte für den Golfclub einen Stahlskelettbau ohne tragende Wände. Durch pointiert mit Chromblech ummantelte kreuzförmige Säulen machte er in einem Teil des Gebäudes das Raster der Stahlstützen sichtbar - ähnlich wie bei seinen berühmten Entwürfen für Haus Tugendhat in Brünn und für den Barcelona-Pavillon.

Für die Planung dieser „temporären Architektur“ konnte der Verein den international bekannten belgischen Architekten Paul Robbrecht gewinnen. Robbrecht, der zusammen mit seiner Frau Hilde Daem in Gent ein renommiertes Büro unterhält, hat nicht nur in vielen Ländern bedeutende Kulturbauten, Firmengebäude und Wohnhäuser geschaffen. Er hat außerdem das Design für wichtige Ausstellungen entworfen und Erfahrungen mit temporärer Architektur. Für die Documenta IX in Kassel (1992) entwarf er die Ausstellungspavillons. Das Büro Robbrecht en Daem erhielt bereits zahlreiche internationale Auszeichnungen. 2011 war es für den Architekturpreis der EU, den Mies van der Rohe Award, nominiert. Paul Robbrecht schätzt an Mies van der Rohe vor allem dessen Gespür für den Dialog von Architektur und Landschaft und seine Sensibilität im Umgang mit Materialien.

So wie alle Aktivitäten von projektMIK wird auch das Golfclub-Projekt von ehrenamtlichem bürgerschaftlichem Engagement getragen und ausschließlich privat finanziert. Von diesem Engagement hängt auch die Realisierung des Golfclub-Modells ab. Der Verein bietet zum Beispiel Patenschaften für eine oder mehrere der 30 Mies'schen Säulen mit kreuzförmigem Grundriss und verchromter Ummantelung an. Preis: 5.000 Euro. Die "Paten" werden auf einer Tafel vermerkt sein.

Christiane Lange