Kulturbewusstsein und Markenversprechen

Kulturbewusstsein und Markenversprechen
Ein Gespräch mit Ina Struve, der Leiterin Design und Produktentwicklung bei Vorwerk Teppich

Was ist das Besondere an den Entwürfen der Bauhaus-Kollektion von Vorwerk?

Vornehmlich handelt es sich um sehr geometrische Dessins, die teilweise als Papierentwurf vorlagen. Diese Entwürfe wurden dann für die industrielle Produktion übersetzt – immer mit dem Anspruch, die Umsetzung so originalgetreu wie möglich zu gestalten. Lediglich die Materialität wurde auf eine Warenqualität beschränkt, um die industrielle Produktion erst zu ermöglichen. Ganz besonders war es für uns, dass Gertrud Arndt, damals weit über 80 Jahre alt, noch selbst die Farbabmusterung und Dessinfreigabe ihres umgesetzten Entwurfes vor Ort in Hameln vornahm.

Wie entsteht aus einem kunsthandwerklichen Einzelstück ein industrielles Serienprodukt?

Grundsätzlich waren die Bauhaus-Entwürfe bereits für die industrielle Produktion angelegt und konnten somit, dem aktuellen Stand der Technik entsprechend, umgesetzt werden. Moderne technische Mittel ermöglichten uns hierbei eine zeitgemäße Umsetzung der Kollektion.

Ina Struve

Ina Struve

Welche Nachwirkung hat das historische Bauhaus auf die heutige Gestaltung und Produktion von Teppichen?

Das historische Bauhaus beeinflusst das Design noch heute, ist als Inspiration oder gestalterische Basis universal spürbar. Mich faszinieren besonders die Wertigkeit und die Gültigkeit des Bauhaus-Designs. Sowohl die Geradlinigkeit und Klarheit als auch die Aussage verlieren nicht an Modernität.

Diese nachhaltige Wirkung allein auf den Teppichboden zu reduzieren, würde für mich bedeuten, auch das Bauhaus auf den selbigen zu reduzieren. Ich betrachte es eher so, dass Gestaltung – vor, wie auch nach dem Bauhaus – immer vom Menschen ausgeht. Die Herausforderung besteht darin, die optimale Umsetzung einer Idee auf die industrielle Fertigung zu übertragen.

Sie haben 2009 die Restaurierung von 17 historischen Bauhaus-Teppichen aus der Sammlung der Klassik Stiftung Weimar finanziert. Weiterhin unterstützen Sie den Einsatz von Teppichen als Kunstgegenstände in Ausstellungen. Welche Rolle spielt für Ihr Unternehmen die Kulturgeschichte Ihrer Produkte?

Kulturbewusstsein hat bei Vorwerk Tradition. Kultur ist Teil der Marke und auch heute noch ist Vorwerk tief mit der eigenen Historie verwurzelt. Die finanzielle Unterstützung einer Restaurierung war für uns somit nicht nur Wahrmachung des Markenversprechens, sondern auch eine Herzensangelegenheit. Ein Engagement, das die Anerkennung Vorwerks für die Arbeit der Bauhaus-Frauen zum Ausdruck bringt.

Wie haben sich in den letzten 90 Jahren die Anwendungsfelder von Teppichen und anderen Textilien als Baustoffe geändert?

Damals gab es die Produktgattung „Teppichboden“ im Sinne von Auslegeware noch nicht. Das ist eine klare Weiterentwicklung. Anforderungen hinsichtlich der Haltbarkeit eines Teppichs wurden früher auch schon definiert, nur waren diese nicht im heutigen Maße messbar. Umweltfaktoren sind heutzutage stärker ausgeprägt, daher nutzt Vorwerk die feinstaubreduzierende Wirkung von Teppichboden.

Neben der praktischen Anwendung, dem Design und der Haptik stehen Qualität und Langlebigkeit eines Teppichbodens klar im Vordergrund. War dieser früher ein rein dekoratives Raumgestaltungselement, hat er heute Eigenschaften, die das Raumklima positiv beeinflussen können. Er verfügt beispielsweise über eine geräuschdämmende oder aber eine gelenkschonende Wirkung.

Interview: Georg Gräser