Albert Hennig kam über die Fotografie zur Malerei. 1929 begann er mit einer Zeiss Ikonta Mittelformatkamera Szenen aus seiner Heimatstadt Leipzig zu fotografieren und bewarb sich mit jenen Bildern beim Bauhaus in Dessau, wo er 1932 angenommen wurde. Dort absolvierte er zunächst den Vorkurs bei dem Konstruktivisten Josef Albers, der ihn das gegenständliche Zeichnen lehrte. Albers war so angetan von Hennigs zeichnerischem Talent, dass er ihn ermahnte: "Hennig, zeichnen Sie, zeichnen Sie, wo immer Sie sind!". Weitere Lehrer Hennigs waren Joost Schmidt, Hinnerk Scheper, Mies van der Rohe, Wassily Kandinsky und Paul Klee.
Als Albert Hennig ans Bauhaus Dessau kam, studierte dort zur selben Zeit auch der vier Jahre jüngere Heinrich Neuy. Im Gegensatz zu Hennig, der sich damals vor allem von seinem Lehrer Paul Klee inspirieren ließ, war Neuys großes Vorbild Wassily Kandinsky. Die Lehren Klees und Kandinskys sind auch heute noch in den Werken von Hennig und Neuy deutlich zu erkennen. Während die Formsprache bei Neuy analytisch, geradlinig und geordnet ist, sind Hennigs Werke eher verspielt, sanft und fließend.
Nachdem das Bauhaus von den Nationalsozialisten 1933 geschlossen wurde, verloren sich Hennig, der in Ostdeutschland lebte, und Neuy aus den Augen und trafen erst knapp 60 Jahre später – nach der Deutschen Wiedervereinigung – wieder aufeinander. In den 1990er Jahren folgten daraufhin drei Gemeinschaftsausstellungen der beiden Bauhausschüler in Köln, Münster und Kevelaer. Über ihren Tod hinaus begegnen sich nun beide Künstler ein viertes Mal...
Das HeinrichNeuyBauhausMuseum eröffnet am Sonntag, den 6. Mai, um 11.30 Uhr die große Albert Hennig-Ausstellung. Präsentiert werden rund 80 Werke des Bauhauskünstlers – darunter Aquarelle, Pastelle sowie Bleistift- und Tuschezeichnungen aus den 1980er und 1990er Jahren. Die Eröffnungsrede hält Werner Friedrich. Die Ausstellung endet am 26. August 2012.