Hennig, zeichnen Sie ...!

Hennig, zeichnen Sie ...!
Der Bauhäusler Albert Hennig im HeinrichNeuyBauhausMuseum

Seine Farben sind von ungeheurer Leuchtkraft, seine Formensprache unverwechselbar und das Format stets klein gehalten. Albert Hennig (1907-1998) gilt – ebenso wie Heinrich Neuy – als einer der letzten Künstler, dessen Werke noch direkt in der Bauhaus-Idee verwurzelt sind.

Das HeinrichNeuyBauhausMuseum zeigt in der neuen Ausstellung sowohl abstrakte als auch gegenständliche Bilder Hennigs. Ein Großteil der Exponate stammt aus der privaten Sammlung von Eugen und Ulla Zymner. "Ich freue mich ganz besonders, dass uns das Ehepaar Zymner über 50 Werke zur Verfügung stellt", sagt die Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Heinrich Neuy-Stiftung, Hedwig Seegers. Hennig sei ein großer Farbvirtuose gewesen. Besonders die Einflüsse seines Lehrers Paul Klee seien in seinen Bildern erkennbar, erklärt Seegers weiter.

Albert Hennig, o.T.

Albert Hennig, o.T.

Albert Hennig, o.T., Aquarell

Albert Hennig kam über die Fotografie zur Malerei. 1929 begann er mit einer Zeiss Ikonta Mittelformatkamera Szenen aus seiner Heimatstadt Leipzig zu fotografieren und bewarb sich mit jenen Bildern beim Bauhaus in Dessau, wo er 1932 angenommen wurde. Dort absolvierte er zunächst den Vorkurs bei dem Konstruktivisten Josef Albers, der ihn das gegenständliche Zeichnen lehrte. Albers war so angetan von Hennigs zeichnerischem Talent, dass er ihn ermahnte: "Hennig, zeichnen Sie, zeichnen Sie, wo immer Sie sind!". Weitere Lehrer Hennigs waren Joost Schmidt, Hinnerk Scheper, Mies van der Rohe, Wassily Kandinsky und Paul Klee.

Als Albert Hennig ans Bauhaus Dessau kam, studierte dort zur selben Zeit auch der vier Jahre jüngere Heinrich Neuy. Im Gegensatz zu Hennig, der sich damals vor allem von seinem Lehrer Paul Klee inspirieren ließ, war Neuys großes Vorbild Wassily Kandinsky. Die Lehren Klees und Kandinskys sind auch heute noch in den Werken von Hennig und Neuy deutlich zu erkennen. Während die Formsprache bei Neuy analytisch, geradlinig und geordnet ist, sind Hennigs Werke eher verspielt, sanft und fließend.

Nachdem das Bauhaus von den Nationalsozialisten 1933 geschlossen wurde, verloren sich Hennig, der in Ostdeutschland lebte, und Neuy aus den Augen und trafen erst knapp 60 Jahre später – nach der Deutschen Wiedervereinigung – wieder aufeinander. In den 1990er Jahren folgten daraufhin drei Gemeinschaftsausstellungen der beiden Bauhausschüler in Köln, Münster und Kevelaer. Über ihren Tod hinaus begegnen sich nun beide Künstler ein viertes Mal...

Das HeinrichNeuyBauhausMuseum eröffnet am Sonntag, den 6. Mai, um 11.30 Uhr die große Albert Hennig-Ausstellung. Präsentiert werden rund 80 Werke des Bauhauskünstlers – darunter Aquarelle, Pastelle sowie Bleistift- und Tuschezeichnungen aus den 1980er und 1990er Jahren. Die Eröffnungsrede hält Werner Friedrich. Die Ausstellung endet am 26. August 2012.