Kurz vor Beginn der ersten Bauhausaustellung in Weimar erreicht Ise Gropius Weimar und "... verschwand für alle, die [sie] je vorher gekannt hatten, hinter dieser Tür in eine neue Welt, die nirgends ihresgleichen hatte aber [ihr] die Chance gab, [ihre] eigene Persönlichkeit in ihrem Rahmen zu entwickeln." Am 16. Oktober desselben Jahres heiraten Ise und Walter Gropius in Weimar; Wassily Kandinsky und Paul Klee sind ihre Trauzeugen.
Schon bald nennt Walter Gropius seine Frau liebevoll "Frau Bauhaus". Ise Gropius verzichtet auf einen eigenständigen Beruf und tritt in den Dienst des Bauhauses: als Sekretärin, Lektorin, Organisatorin und für Gropius als "Partner von gleichem Rang". In einem Interview 1986 stellt sie fest: "Die Bauhaus-Idee wurde zu meinem zweiten Ich. Wenn man einmal davon infiziert war, hatte es Auswirkung auf jeden Aspekt des Lebens."
Neben organisatorischen Aufgaben bringt sich Ise Gropius teilweise auch gestalterisch mit ein. So entwirft sie unter architektonischen Korrekturen ihres Mannes das Dessauer Meisterhaus und Gegenstände für die Küche, "da es moderne Küchen in Deutschland noch nicht gab. Es existierte fast nichts auf dem normalen Markt was nicht nur unsere modernen technischen, sondern auch unsere ästhetischen Ansprüche befriedigt hätte." Erst nach Fertigstellung der Dessauer Häuser entwirft Margarete Schütte-Lihotzky 1926 die revolutionäre Frankfurter Küche.
Ihr gezielt moderner Blick zeigt sich auch in erhaltenen Fotografien von Ise Gropius. Eine Vielzahl der Fotos sind heute nicht mehr eindeutig ihr oder ihrem Mann zuzuordnen, da sie auf gemeinsamen Reisen entstanden und von ihnen dahingehend nicht beschriftet wurden. Nur die Selbstbildnisse sind eindeutig aus ihrer Hand. 1926/27 lichtet sie sich mit nur einer Aufnahme acht Mal aus unterschiedlichen Blickwinkeln im Toilettenspiegel ihres Dessauer Meisterhauses ab. Mit ihrem linken Arm umschließt die junge, abwesend schauende Frau die Kamera. Vom realen Modell sieht der Betrachter lediglich diesen Arm. Erst in den Spiegelbildern lässt sich Identität und Position der Fotografierenden erkennen. Der sie umgebende Raum ist durch die Spiegel-Brechungen fast bis zur Unkenntlichkeit verfremdet.







