bauhaus-parallelen. LOHELAND WERKSTÄTTEN

bauhaus-parallelen. LOHELAND WERKSTÄTTEN

Der Freundeskreis der Bauhaus-Universität Weimar e. V. organisiert gemeinsam mit dem Archiv der Loheland-Stiftung die Ausstellung "bauhaus-parallelen. LOHELAND-WERKSTÄTTEN"  im Haus Am Horn, dem einzigen vom Bauhaus errichteten Gebäude in Weimar, das heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die "Loheland Schule für Körperbildung, Landbau und Handwerk" wurde 1919 von Hedwig von Rohden (1890-1987) und Louise Langgaard (1883-1974) als Schul- und Siedlungsexperiment in Künzell bei Fulda gegründet. Als Ausbildungsstätte für Gymnastik und Tanz setzte diese "Frauen-Landkommune" wie das Bauhaus auf die Ausbildung aller Talente und gliederte deshalb zahlreiche Werkstätten an, die auch zum materiellen Erhalt der Siedlung beitrugen.

Loheland und das Bauhaus gingen aus den großen Reformbewegungen hervor, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts Antworten auf die zunehmend industrialisierte und globalisierte Gesellschaft suchten: Die Gründung von Kunstgewerbeschulen im Anschluss an die Erste Weltausstellung in London 1851, die Arts and Crafts Movement in England mit ihren Protagonisten William Morris und John Ruskin, die europäische Bewegung des Jugendstils mit Henry van de Velde und seiner Kunstgewerbeschule in Weimar, die Gründung des Deutschen Werkbundes 1907 und der Aufbruch der künstlerischen Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg mit künftigen Bauhausakteuren wie Walter Gropius, Lyonel Feininger, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Jugendbewegung und Wandervogel, aber auch die anthroposophische Bewegung mit Rudolf Steiner stellten die Anonymität der Großstadt und der industriellen Produktion kritisch in Frage.                                                                                                                                               

Gymnastik-Kugeln, verschiedene Hölzer, gedrechselt, um 1930

Gymnastik-Kugeln, verschiedene Hölzer, gedrechselt, um 1930

So ist es nicht verwunderlich, dass Loheland und das Bauhaus ab 1919 vielfältige Kontakte pflegten: Die Einladung der Loheländerinnen zu Tanz-Aufführungen in Weimar, die Besuche von László und Lucia Moholy-Nagy in Loheland, deren Fotoexperimente durch Bertha Günthers Fotogramme inspiriert wurden, die Teilnahme am Unterricht beider Einrichtungen von René Halkett bis hin zu Bauhaus-Artefakten im Loheland-Archiv wie einem Krug von Otto Lindig.

Erstmals werden die Lohelandwerkstätten mit mehr als 100 Arbeiten öffentlich vorgestellt, die Handweberei, die Schreinerei, die Drechslerei, die Lederwerkstatt, die Töpferei und die Korbwinderei, ergänzt um 80 Aufnahmen aus der Lichtbildwerkstatt. Diese Fotografien ermöglichen einen vertieften Einblick in die Arbeit der Werkstätten, aber auch in die künstlerische Grundlagenausbildung und das Kerngebiet Lohelands, das Studium der Bewegung. Der Besuch im benachbarten Bauhaus-Museum der Klassik Stiftung Weimar ermöglicht den direkten Vergleich beider Einrichtungen: Ein Vergleich auf Augenhöhe.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen.

Eröffnung der Ausstellung "bauhaus-parallelen. LOHELAND-WERKSTÄTTEN" ist am Freitag, dem 17. August 2012 um 17 Uhr im Haus Am Horn (Einladung hier). Bis zum 4. November ist die Ausstellung mittwochs, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.