Oskar Schlemmer

Unbekannter Fotograf, Portrait Oskar Schlemmer, ca. 1930
Bauhaus-Archiv Berlin

Unbekannter Fotograf, Portrait Oskar Schlemmer, ca. 1930
Bauhaus-Archiv Berlin

Zwischen 1903 und 1905 ließ sich Oskar Schlemmer als kunstgewerblicher Zeichner einer Stuttgarter Intarsienwerkstatt ausbilden. Von 1906 bis 1910 studierte er ein Semester an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule und erhielt danach ein Stipendium an der dortigen Akademie der bildenden Künste. 1911/12 arbeitete Schlemmer als freier Maler in Berlin. In dieser Zeit hatte er Kontakt zu Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. 1912 kehrte er nach Stuttgart zurück und wurde Meisterschüler Adolf Hölzels. 1913/14 eröffnete und leitete er den Neuen Kunstsalon am Neckartor. Zusammen mit Willi Baumeister und Hermann Stenner entstanden 1914 Wandbilder für die Haupthalle der Werkbund-Ausstellung in Köln. Von 1914 bis 1918 leistete er Kriegsdienst. 1920 entstanden erste Figurinen für das „Triadische Ballett”, das 1922 in Stuttgart erstmalig aufgeführt wurde.

Im Januar 1921 wurde Schlemmer als einer der ersten Meister durch Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Er leitete als Formmeister zunächst die Wandmalereiabteilung (alternierend mit Johannes Itten) und gab Unterricht in Aktzeichnen. Von 1922 bis 1923 leitete er als Formmeister die Steinbildhauerei, die Holzbildhauerei und interimsweise die Metallwerkstatt und unterrichtete Aktzeichnen. Anlässlich der Bauhaus-Ausstellung 1923 in Weimar leistete Schlemmer auf den Gebieten Wandgestaltung, Malerei, Plastik, Druckgrafik, Werbung und Bühne einen vielseitigen Beitrag. Von 1923 bis 1929 war er am Bauhaus Weimar und am Bauhaus Dessau Leiter der Bühnenwerkstatt. 1927/28 unterrichtete er Figurenzeichnen und gab ab 1928 seinen Kurs „Der Mensch“. 1928/29 erfolgte eine Tournee der von Schlemmer geleiteten Bauhausbühne durch Deutschland. Er verließ das Bauhaus am 11.7.1929.

Von 1929 bis 1932 hatte Schlemmer eine Professur an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau inne. Dort leitete er u. a. die Bühnenkunstklasse. Im Juni 1932 folgte eine Professur an den Vereinigten Staatsschulen für Kunst und Kunstgewerbe in Berlin. Nach seiner fristlosen Kündigung im Mai 1933 hielt er sich bis 1934 in der Schweiz auf. 1937 fand in der London Gallery eine erste Einzelausstellung zu Schlemmers Werk statt. Obwohl Schlemmer Mitglied in der Reichskulturkammer wurde, war seine Kunst in Deutschland als entartet verfemt. 1938 arbeitete er für ein Stuttgarter Malergeschäft. In den Jahren 1939/40 folgten Aufträge für Tarnanstriche von Kasernen. 1940 richtete er ein Labor für lacktechnische Versuche für die Wuppertaler Lackfabrik Dr. Herberts ein, für die auch zahlreiche weitere Künstlerkollegen wie Willi Baumeister, Gerhard Marcks und Georg Muche arbeiteten.

Literatur
Stonard, John-Paul: Oskar Schlemmer's „Bauhaustreppe“, 1932, in: Burlington Magazine, H. 1276, 2009;
Kiefer, Jochen: Die Puppe als Metapher, den Schauspieler zu denken: Zur Ästhetik der theatralen Figur bei Craig, Meyerhold, Schlemmer und Roland Barthes, Berlin: Alexander Verlag, 2004;
Louis, Eleonora (Hg.): Oskar Schlemmer. Tanz, Theater, Bühne, Schriftenreihe der Kunsthalle Wien, Klagenfurt: Ritterverlag, 1997;
Hüneke, Andreas (Hg.): Oskar Schlemmer. Idealist der Form. Briefe, Tagebücher, Schriften 1912-1943, Leipzig 1990;
Maur, Karin von: Oskar Schlemmer. Monographie, Stuttgart 1979.