Marianne Brandt

Unbekannt (Marianne Brandt ?), Portrait Marianne Brandt, um 1926
Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin

Unbekannt (Marianne Brandt ?), Portrait Marianne Brandt, um 1926
Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin

Marianne Brandt begann ihre künstlerische Ausbildung 1911 in Weimar an einer privaten Kunstschule. Danach wurde sie an der Hochschule für Bildende Kunst in Weimar aufgenommen,  studierte bei den Künstlern Fritz Mackensen und Robert Weise Malerei und später bei Richard Engelmann Bildhauerei. 1919 heiratete sie den norwegischen Maler Erik Brandt. Ein Jahr später unternahm sie eine einjährige Studienreise mit Aufenthalten in Paris und Südfrankreich. An das Staatliche Bauhaus in Weimar kam Brandt 1923. Sie besuchte den Vorkurs bei Josef Albers und László Moholy-Nagy sowie den Unterricht bei Paul Klee und Wassily Kandinsky. Außerdem arbeitete sie in der Metallwerkstatt bei László Moholy-Nagy.

Am Bauhaus in Dessau setzte sie ihre Ausbildung fort, dort ebenfalls in der Metallwerkstatt bei Moholy-Nagy. Bereits 1926 entwarf sie erste Beleuchtungskörper für das Dessauer Bauhausgebäude. Seit dem Sommersemester 1927 leitete sie die lichttechnischen Versuche in der Metallwerkstatt. Von Mai 1928 bis zum 1.7.1929 war Brandt die Leiterin der Metallwerkstatt. Am 10.9.1929 machte sie das Bauhausdiplom Nr. 2 der Metallwerkstatt. Hier organisierte sie zusammen mit Hin Bredendieck in den Jahren 1928 und 1929 auch die Zusammenarbeit mit den Firmen Körting & Mathiesen AG (Kandem) in Leipzig und mit Schwintzer & Gräff in Berlin. Gleichzeitig entwarf sie u. a. mit Hin Bredendieck Beleuchtungskörper für die Serienproduktion.

Ende 1929 verließ sie das Bauhaus. Im Architekturbüro von Walter Gropius arbeitete Brandt von Juli bis Dezember 1929. Dort war sie an der Inneneinrichtung der Ausstattung der Siedlung Karlsruhe-Dammerstock beteiligt. Danach leitete sie bis 1932 die Entwurfsabteilung der Metallwarenfabrik Ruppelwerk GmbH in Gotha. Von 1933 bis 1945 lebte sie in Chemnitz. 1939 wurde sie Mitglied der Reichskulturkammer. In die NSDAP trat sie nicht ein. Mart Stam berief sie 1949 als Dozentin an die Hochschule der Bildenden Künste in Dresden. Bis 1954 arbeitete sie an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Gleichzeitig betreute sie 1953/54 die Ausstellung „Deutsche Angewandte Kunst der DDR“ in Peking und Shanghai. Bekannt wurde sie vor allem durch Industrieprodukte aus Metall und Glas. Außerdem schuf sie zahlreiche Fotografien und Fotomontagen.

Literatur
Otto, Elisabeth: A „Schooling of the Senses“: Post-Dada Visual Experiments in the Bauhaus Photomontages of László Moholy-Nagy and Marianne Brandt, in: NEC. New German Critique, 107, (2009), S. 89-131;
Otto, Elisabeth (Hg.): Tempo, Tempo! Bauhaus-Fotomontagen von Marianne Brandt, Bauhaus-Archiv Berlin, Berlin: Jovis, 2005;
Wynhoff, Elisabeth (Hg.): Marianne Brandt: Fotografien am Bauhaus. Ausstellung im Institut für Kunst und Design im Kolkmannhaus, Wuppertal, Ostfildern: Hatje Cantz, 2003;
Weinert, Manja: Marianne Brandt. Fotomontagen und Foto-Text-Collagen, Berlin: Humboldt-Universität, Diplomarbeit, 2003;
Weise, Anne-Kathrin: Leben und Werk von Marianne Brandt, Berlin: Humboldt-Universität, Dissertation, 1995.