Lucia Moholy

Lucia Moholy, Selbstportrait, 1930
Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Lucia Moholy, Selbstportrait, 1930
Bauhaus-Archiv Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

1912 erwarb Lucia Schulz die Lehramtsbefähigung für Deutsch und Englisch und studierte danach Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität in Prag. Zwischen 1915 und 1918 war sie als Redakteurin und Lektorin in mehreren Verlagen tätig, u. a. bei Hyperion und Kurt Wolff in Berlin. 1919 hielt sie sich auf dem Barkenhoff von Heinrich Vogeler in Worpswede bei Bremen auf. Unter dem Pseudonym Ulrich Steffen veröffentlichte sie expressionistische Literatur. 1920 war sie Redakteurin des Rowohlt Verlags in Berlin. Im folgenden Jahr heiratete sie den späteren Bauhausmeister László Moholy-Nagy. Zwischen 1922 und 1923 arbeiteten beide gemeinsam auf dem Gebiet der experimentellen Fotografie.

Nach der Berufung ihres Mannes 1923 an das Bauhaus Weimar begann sie in einem dortigen Fotoatelier eine Lehre und fotografierte gleichzeitig für Publikationen Werkstattarbeiten des Bauhauses. Von 1923 bis1925 war sie als Fotografin freie Mitarbeiterin am Bauhaus in Weimar, von 1925 bis 1928 in derselben Funktion am Bauhaus in Dessau. Zwischen 1925 und 1926 studierte sie Foto- und Drucktechnik an der Akademie für grafische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Zu ihren bedeutenden Arbeiten aus dieser Zeit zählen eine große Bildserie vom Neubau des Bauhauses und der Meisterhäuser in Dessau für die Presse und die Bauhausbücher, die ihr den Rang einer authentischen Dokumentaristin des Bauhauses vor 1928 verliehen. Gleichzeitig entstanden Sachfotografien der Werkstattarbeiten und Porträtserien von Bauhaus-Lehrern und Freunden.

Nach dem Weggang vom Bauhaus 1928 arbeitete sie mit der Fotoagentur Mauritius zusammen und war 1929 auf der Werkbundausstellung „Film und Foto“ in Stuttgart vertreten. Im selben Jahr trennte sie sich von ihrem Mann. Als Nachfolgerin von Otto Umbehr (Umbo) wurde sie als Fachlehrerin für Fotografie an die Itten-Schule in Berlin engagiert. 1933 emigrierte sie über Prag, Wien und Paris nach London und arbeitete dort als Porträtfotografin und Autorin. In den folgenden Jahren leitete sie die Verfilmung zahlreicher bedeutender Archive und Projekte der UNESCO in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Nachdem sie 1959 in die Schweiz übersiedelte, konzentrierte sie sich auf eine publizistische Tätigkeit in Kunstkritik und -pädagogik und war mit ihrem fotografischen Werk an zahlreichen Ausstellungen beteiligt.

Literatur:
Fiedler, Jeannine (1990): Fotografie am Bauhaus, Berlin; Guttenberger, Anja für das Bauhaus-Archiv Berlin (2015): bauhaus.foto / bauhaus.photo, Berlin; Hartmann, Sabine (1995): Lucia Moholy − Bauhaus-Fotografin, in: Museums Journal, H. 2, Berlin; Sachsse, Rolf (1995): Lucia Moholy. Bauhaus-Fotografin, Berlin; Schöbe, Lutz (2004): Bauhaus. Fotografie aus der Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau, Florenz; Valdivieso, Mercedes: Eine 'symbiotische Arbeitsgemeinschaft' und die Folgen - Lucia und László Moholy-Nagy, in: Berger, R. (2000): Liebe Macht Kunst. Künstlerpaare im 20. Jahrhundert, Köln/Weimar/Wien, S. 65-85.