Horacio Coppola

Grete Stern, "Horacio Coppola/ Londres 1934" (London 1934)
Bauhaus-Archiv Berlin

Grete Stern, "Horacio Coppola/ Londres 1934" (London 1934)
Bauhaus-Archiv Berlin

Als Horacio Coppola 1932 ans Berliner Bauhaus kommt, hat er bereits den konkreten Berufswunsch Fotograf zu werden. Einzig zu diesem Zweck reist er nach Deutschland, denn die Fotos von László Moholy-Nagy und Albert Renger-Patzsch – zwei der wichtigsten Repräsentanten der Fotoavantgarden "Neues Sehen" und "Neue Sachlichkeit" –, die er auf seiner ersten Europareise 1930 gesehen hatte, hatten einen bleibenden Eindruck bei dem jungen Argentinier hinterlassen. Auf seinem Weg zu einem der populärsten argentinischen Fotografen knüpfte Coppola stets eine enge Verbindung zwischen Fotografie und Film. 1929 hatte er den ersten Filmclub Argentiniens gegründet; neben seinem Studium am Bauhaus wirkte er in den Tempelhofer Filmstudios als Assistent am Film "Reifende Jugend" (Carl Frölich, 1933) mit. In Berlin lernt Coppola die Peterhans-Schülerin Grete Stern kennen. Sie stellt ihm den Leiter der Bauhaus-Fotoklasse vor und bewegt ihn zur Immatrikulation. 

Über Grete Stern gelangt Horacio Coppola in den Künstlerkreis um Ellen Rosenberg (später Auerbach), Walter Auerbach und Walter Peterhans. Während seines Bauhaus-Studiums entstehen lediglich 18 Fotografien, wie er später vielfach betonen wird. Sie sind direkte Resultate aus dem Unterricht Peterhans. Die Abstraktion von Formen, wie Coppola sie von Peterhans erlernte, wird er nach seiner Rückkehr nach Argentinien weiterverfolgen. 1936 emigrieren Stern und Coppola, mittlerweile verheiratet und zweifache Eltern, nach Argentinien. In Buenos Aires wird ihnen die Möglichkeit geboten, ihre erste gemeinsame Foto-Ausstellung auf die Beine zu stellen. Sie wird als die erste Ausstellung moderner Fotografie in Argentinien in die Geschichte eingehen. Von seiner Heimatstadt Buenos Aires fertigt er im selben Jahr zahlreiche Nacht- und Tagfotografien an, die er in der Publikation "Buenos Aires, 1936" zusammenführt. Sie prägt bis heute entscheidend das Bild, das wir von der argentinischen Hauptstadt haben. 

Horacio Coppola gilt heute als einer der wichtigsten argentinischen Fotografen und als der Fotograf,  der das sich wandelnde Buenos Aires über hundert Jahre lang mitverfolgte und fotografisch dokumentierte. Er starb am 18. Juni 2012 im Alter von 105 Jahren. 

Literatur: Marcos Zimmermann, Horacio Coppola: Como si viera por primera vez, 3.12.2010, Clarín.com, Revista de Cultura, http://www.revistaenie.clarin.com/arte/fotografia/viera-primera-vez-horacio-coppola_0_383961607.html (24.7.2012); Loreley Gaffoglio, Horacio Coppola: los ojos del siglo, in: La Nación, 23.7.2006, http://www.lanacion.com.ar/825116-horacio-coppola-los-ojos-del-siglo (24.7.2012); Jorge Schwartz, Horacio Coppola, Fundación Telefónica, o.O. 2008