Gerhard Marcks

Unbekannter Fotograf, Portrait Gerhard Marcks, ca. 1924-25
Bauhaus-Archiv Berlin

Unbekannter Fotograf, Portrait Gerhard Marcks, ca. 1924-25
Bauhaus-Archiv Berlin

Seit 1907 wandte Marcks sich autodidaktisch der Bildhauerei zu. Dabei erhielt er erste Anleitungen durch die Künstler August Gaul und Gerhard Kolbe. Zwischen 1908 und 1912 ging er eine Ateliergemeinschaft mit dem Bildhauer Richard Scheibe in Berlin ein. Auf der Berliner Sezession war Marcks mit zwei Werken vertreten. 1914 entstanden für die Deutsche Werkbundausstellung in Köln zwei nach dem Entwurf von Walter Gropius realisierte Steinreliefs von Marcks für den Eingang der Maschinenhalle. Nach dem Kriegsdienst arbeitete er 1917/18 für die Märkischen Kunstwerkstätten Vordamm der Steingutfabriken Velten-Vordamm und ein Jahr darauf zusammen mit der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen. Ende 1918 berief ihn Bruno Paul an die Staatliche Kunstgewerbeschule Berlin als Lehrer der Bildhauerklasse.

1919 berief ihn Walter Gropius als einen der ersten Meister an das Staatliche Bauhaus in Weimar, wo er künstlerischer Leiter (Formmeister) der Keramischen Werkstatt wurde. Marcks begann mit dem Aufbau einer Werkstatt bei Töpfermeister Max Krehan und der Einrichtung eines eigenen Ateliers im nicht weit entfernten Dornburg an der Saale. Während seiner Bauhauszeit entstanden neben zahlreichen bekannten Töpferwaren die Holzschnittserie Wielandslied (1923) und die Kaffeemaschine Sintrax (1924). Marcks verließ das Bauhaus 1924.

Er folgte einer Berufung durch den Architekten Paul Thiersch an die Werkstätten der Stadt Halle − Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein als Leiter der Bildhauerklasse. Zwischen 1928 und 1933 arbeitete Marcks als stellvertretender Direktor des Hallenser Kunstinstituts. 1926 beteiligte er sich an der Internationalen Kunstausstellung Dresden und erhielt 1930 den Preis des Deutschen Künstlerbundes in Stuttgart. 1933 wurde Marcks durch die Nationalsozialisten seines Direktorenpostens enthoben und aus dem Hochschuldienst entlassen. 1935 erhielt er ein halbjähriges Stipendium der Villa Massimo. Zwei Jahre später wurde seine Kunst für entartet erklärt. 1939 baute sich Marcks in Berlin ein eigenes Atelierhaus, das 1943 zusammen mit einem großen Teil seiner frühen Arbeiten durch Bomben zerstört wurde. Nach Kriegsende berief ihn Friedrich Ahlers-Hestermann an die Kunsthochschule in Hamburg. 1946 erhielt er eine Professur an der Landeskunstschule in Hamburg. 1950 beendete er seine Lehrtätigkeit und ließ sich in Köln als freier Bildhauer nieder. In den folgenden Jahren erhielt er zahlreiche Auszeichnungen (Ehrenmitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg, 1969) und Kunstpreise (Kunstpreis der Stadt Berlin, 1955). 1969 wurde in Bremen die Gerhard-Marcks-Stiftung gegründet.

Literatur:
Fitschen, Jürgen (2004): Gerhard Marcks. Das plastische Werk 1973-1981, Bielefeld; Marcks, Gerhard (1994): Blätter aus Dornburg. Holzschnitte, Zeichnungen und Studien der Jahre 1920-1922, Gera; Weber, Klaus (1989): Gerhard Marcks am Bauhaus, in: Kulturberichte. ASKI, H. 1; Weber, Klaus (1989): Keramik und Bauhaus. Geschichte und Wirkungen der keramischen Werkstatt des Bauhauses, Berlin.