Alfredo Bortoluzzi

Grit Kallin-Fischer, Portrait Alfredo Bortoluzzi, 1927-1928
Bauhaus-Archiv Berlin

Grit Kallin-Fischer, Portrait Alfredo Bortoluzzi, 1927-1928
Bauhaus-Archiv Berlin

Alfredo Bortoluzzi wurde am 21. Dezember 1905 als Sohn italienischer Eltern in Karlsruhe geboren und wuchs dort auf, besuchte aber regelmäßig seine Verwandten in Venedig. Obwohl er nach dem Abitur bereits eine Zulassung für das Studium an der venezianischen Kunstakademie erhalten hatte, entschied er sich für die Einschreibung an der Akademie der Bildenden Künste seiner Heimatstadt, da ihm das Lehrangebot in Venedig gegenüber der moderneren Didaktik in Karlsruhe als veraltet und überholt erschien. Bortoluzzi selbst erwähnt von seinen Lehrern aus der Studienzeit 1924 bis 1927 Hermann Gehri, der figürliches Zeichnen unterrichtete, und insbesondere Walter Conz, in dessen Kurs für Radierung er das "Meisterschüler"-Diplom erwarb. Das Angebot einer Assistentenstelle bei Conz schlug er zugunsten einer Fortsetzung des Studiums am Bauhaus in Dessau aus. Dort schrieb er sich 1927 und 1928 jeweils für ein Semester ein und kehrte 1930 nochmals als "Hospitant" dorthin zurück. Nach dem Vorkurs von Josef Albers besuchte er die Zeichen- und Malklassen von Wassily Kandinsky und Paul Klee, sowie die Bühnenklasse von Oskar Schlemmer1930 stellte er in der Galerie Ferdinand Möller, Berlin, zusammen mit anderen Bauhäuslern aus, unterstützt von Paul Klee und organisiert von Ernst Kállai. 1931 zeigte die Berliner Galerie Flechtheim Werke von Paul Klee und Alfredo Bortoluzzi. 1933 beteiligte er sich mit anderen Bauhauskünstlern an einer Ausstellung in Düsseldorf; die Ausstellung wurde geschlossen und die Werke durch die Nationalsozialisten als "entartet" beschlagnahmt. 

Durch die erzwungene Untätigkeit widmete Bortoluzzi sich seiner zweiten Leidenschaft, dem Tanz. Auf den bei Oskar Schlemmer erworbenen Grundlagen baute er auf und nahm Ballettunterricht in Karlsruhe. 1936 ging er nach Paris und studierte klassisches Ballett an der École de Danse von Lubov Egorova. Er gewann Preise und wurde Solotänzer an der Pariser Oper, wirkte als Choreograf und entwickelte Bühnenbilder. Im Herbst 1936 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde zunächst Ballettmeister am Stadttheater Aachen. Es folgten bis 1944 Engagements als Tänzer, Choreograf und Bühnenbildner in verschiedenen deutschen Städten. Nach dem Krieg wurde er zunächst Choreograf und Bühnenbildner am Badischen Staatstheater Karlsruhe, dann folgten weitere Tätigkeiten in Dresden, Bielefeld und Essen. 1958 beendete er seine Tanzkarriere aufgrund einer schweren Knieverletzung. Allerdings hatte Bortoluzzi niemals seine Tätigkeit als Maler aufgegeben; nun widmete er sich wieder ganz der Malerei und zog nach Italien, nach Peschici in der Provinz Foggia in Apulien. Alfredo Bortoluzzi verstarb am 20. Dezember 1995 in Peschici.

Zusammen mit Kandinsky, Klee und anderen ehemaligen Bauhäuslern stellte Bortoluzzi 1946 in Heidelberg aus. 1947 wurden seine Werke im Kunstverein Karlsruhe gezeigt, danach folgten weitere Ausstellungen: 1948 in Baden-Baden, 1950 in Köln und 1954 in Essen. Er wirkte in ganz Italien an Ausstellungen mit und hatte auch Einzelausstellungen. 1968 nahm er an der Ausstellung „50 Jahre Bauhaus“ in Stuttgart teil. Seine Heimat Foggia würdigte Bortoluzzi 1975 mit einer Einzelausstellung und 1983 mit einer großen Retrospektive. Nach seinem Tod wurden die Arbeiten von Bortoluzzi in zahlreichen internationalen Ausstellungen und Retrospektiven präsentiert, darunter unter anderem "Bauhaus 1919-1933: da Klee a Kandinsky, da Gropius a Mies van der Rohe" (Mailand, 1996/1997), "ABSTRACTA. 
Austria-Germania-Italia 1919-1939: Die andere 'entartete' Kunst" (Museum für moderne Kunst, Bozen,1997) sowie eine Retrospektive mit dem Titel "Alfredo Bortoluzzi – die Lehre des Bauhauses" von Mario Botta (Kunstmuseum Mendrisio im Tessin, 2001). Im Jahr 2009 erwarb die Stiftung "Fondazione Banca del Monte" in Foggia den umfangreichen Nachlass, der wissenschaftlich erschlossen und seit 2010 in einer Reihe von Einzelausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt wird. 

 

Literatur und Hinweise:

Katalog zur Ausstellung "Alfredo Bortoluzzi - Die Lektion des Bauhauses", Text von Simone Soldini, Gisela Boote, Anna Ruchat, Susanne Franco, Claudio Fontana, Mario Botta, Mendrisio, 2001

Fondo Alfredo Bortoluzzi. Quaderni 1-4, hrsg. von Gaetano Cristino und Guido Pensato. Foggia 2010-2013. 

http://it.wikipedia.org/wiki/Alfredo_Bortoluzzi

http://www.fondazionebdmfoggia.com/news/dettaglio.asp?id=327