Jahre

Vorgeschichte

  • Das Bauhaus verstand sich seit seiner Gründung als Teil und Mittler der Bewegung der Moderne. Selbst aus der Migration von Künstlern und Ideen entstanden, entwickelte es sich in ständiger Wechselwirkung mit verschiedenen Gruppen von Architekten, Stadtplanern, Künstlern, Wissenschaftlern und Gestaltern. Konstituierende Ideen des Bauhauses stammen aus der Kunstgewerbebewegung der Vorkriegszeit. Dies betrifft vor allem die Reformpädagogik und die Vorstellung eines alle Künste vereinenden Gesamtkunstwerks sowie der ästhetischen Erziehung in allen Lebensbereichen wie sie vom Werkbund und im Jugendstil vertreten wurden.

Weimar

  • Walter Gropius formuliert im Programm des Bauhauses als Ziel: „Das Bauhaus erstrebt die (...) Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen Disziplinen – Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Handwerk – zu einer neuen Baukunst als deren unablösliche Bestandteile.“
  • Walter Gropius beruft Paul Klee und Georg Muche als Meister an das Staatliche Bauhaus Weimar, an dem im Oktober der Lehrbetrieb aufgenommen wird.
  • Gemäß den Satzungen des Staatlichen Bauhauses Weimar werden die Lehrer als Meister bezeichnet, die Studierenden als Lehrlinge und Gesellen.
  • Die thüringische Regierung verlangt, die bisherige Arbeit des Bauhauses in einer Leistungsschau zu präsentieren. Walter Gropius orientiert alle Kräfte auf dieses Ereignis.
  • Walter Gropius eröffnet die Bauhaus-Ausstellung in Weimar mit dem Vortrag „Kunst und Technik – eine neue Einheit“, mit der er die Abwendung vom Handwerk und die Hinwendung zur Industrie einleitet.
  • Die thüringische Landesregierung kündigt die Arbeitsverträge der Meister und des Direktors, während der Haushaltausschuss des Landtages den Etat der Schule von 100.000 Mark auf 50.000 Mark kürzt.

Dessau

  • Der Gemeinderat der Stadt Dessau beschließt die Übernahme des Bauhauses, das sich mit dem „Kehraus-Fest“ von Weimar verabschiedet.
  • Neue Satzungen des Bauhauses werden herausgegeben; die Landesregierung Anhalts erkennt den Titel Hochschule für Gestaltung an; das Studium wird von nun an mit dem Bauhausdiplom abgeschlossen.
  • Walter Gropius beruft den Schweizer Architekten Hannes Meyer als Leiter der neueröffneten Architekturabteilung an das Bauhaus.
  • Mit Walter Gropius verlassen auch László Moholy-Nagy, Herbert Bayer und Marcel Breuer das Bauhaus; neuer Direktor wird Hannes Meyer.
  • Über die Bauhaus GmbH werden 32.000 Reichsmark Lizenzeinnahmen an die Studierenden verteilt.
  • Der neue Bauhaus-Direktor Mies van der Rohe ist bemüht, das Bauhaus aus allen politischen Konflikten herauszuhalten und schließt die kommunistisch organisierten Studenten aus.
  • Die NSDAP führt den Wahlkampf mit Aufrufen, an deren erster Stelle die Streichung der Finanzen des Bauhauses und der Abriss des Gebäudes gefordert werden. Sie wird zur stärksten Partei in Dessau.

Berlin

  • Auf der Gemeinderatssitzung wird der Antrag der NSDAP auf Schließung des Bauhauses und die Entlassung sämtlicher Lehrkräfte bei nur vier Gegenstimmen (3 KPD, 1 Oberbürgermeister Hesse) und der Stimmenthaltung der SPD angenommen.
  • Zu Beginn des Sommersemesters löst Ludwig Mies van der Rohe mit Zustimmung der Meister das Bauhaus in Berlin auf.

Wirkungsgeschichte

  • Es gehört zu den Besonderheiten des Bauhauses, dass es ganz unterschiedliche internationale Strömungen in sich bündelte und sich auf Grund der erzwungenen Migration in ständig veränderten Kontexten neu erfinden musste. Die vielleicht intensivste Vermittlung und Weitergabe aus dem Bauhaus kommender Ideen geschah durch das Wirken ehemaliger Lehrer und Schüler im nationalen wie internationalen Raum, durch Weiterbestehen und Knüpfen neuer Netzwerke, auch schon vor der Schließung 1933.