Weberei

Die Weberei war eine der erfolgreichsten und produktivsten Werkstätten am Bauhaus. Sie wurde vor allem von Frauen besucht. In experimenteller Weise erprobte man sowohl traditionelle handwerkliche als auch industrielle Webtechniken. In der Farb- und Formensprache orientierten sich die Schülerinnen stark am Unterricht von Paul Klee. Die Bauhaus-Stoffe wurden als Meterware hergestellt, neuartige Kunstfasern zur Möbelbespannung entwickelt.

Die Weberei nahm unter ihrem Formmeister Johannes Itten 1919 ihre Arbeit auf. Handwerklich führte die Werkmeisterin Helene Börner die Werkstatt bis 1925. Eine am Bauhaus eigens für Frauen eingerichtete Textilklasse wurde 1920 mit der Weberei verschmolzen. Neben dem Weben lernten die Schülerinnen auch andere Textiltechniken wie Häkeln, Knüpfen, Kurbeln, Sticken, Applizieren sowie Mal- und Spritztechniken.

Von 1921 bis 1927 stand Georg Muche der Weberei vor. Muche ließ in der Weberei Meterware herstellen, um die Wirtschaftlichkeit der Werkstätte zu erhöhen. Vom traditionellen Handwerk am Webstuhl wandte er sich auch der industriellen Webtechnik zu. Das führte zur Produktion der sogenannten Bauhaus-Stoffe.

Viele technisch-praktische Fertigkeiten, wie z. B. das Färben, eigneten sich Schülerinnen wie Gunta Stölzl, die später als Leiterin der Weberei vorstand, selbst an. Formal orientierten sich die Schülerinnen am Unterricht von Johannes Itten, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Sie übertrugen das Vokabular der Farb- und Formenlehren auf den Webstuhl.

In der Weberei wurden für die serielle Produktion geeignete Dekorationsstoffe, Wandbespannungen und Möbelbezugsstoffe für moderne Inneneinrichtungen wie die des Hauses Sommerfeld oder des Musterhauses am Horn hergestellt. Die Entwicklung von kostengünstig produzierbaren, auch aus Kunstfasern hergestellten Stoffen wurde unter dem zweiten Bauhausdirektor Hannes Meyer in Dessau intensiviert. Nach dem Weggang von Gunta Stölzl 1931 trat die Innenarchitektin Lilly Reich die Nachfolge an.