Glas- und Wandmalereiwerkstatt

Die Werkstätte für Glasmalerei wurde 1924 dem neu eingerichteten „Versuchsplatz des Bauhauses“ zugeordnet. Meister, die maßgeblich Einfluss auf die Glas- und Wandmalerei nahmen, waren Johannes Itten, Josef Albers, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Hinnerk Scheper. Das erfolgreichste Produkt der Wandmalereiwerkstatt war die ab 1930 produzierte Bauhaustapete.

Aufgebaut wurde die Glasmalereiwerkstatt 1920 von Johannes Itten. Ab 1922 war Paul Klee ihr Formmeister. Der 1920 als Schüler in das Bauhaus eingetretene Josef Albers wurde 1922 zeitgleich zum Gesellen und kommissarischen Werkmeister der Werkstatt für Glasmalerei ernannt. Mit seinen Fensterbildern für das Haus Sommerfeld und das Haus Otte in Berlin sowie das Treppenhaus des Grassimuseums in Leipzig schuf er die bekanntesten Kunstwerke der Glasmalereiwerkstatt. Mangels Aufträgen wurde sie 1924 mit der Bildhauerwerkstatt und der Bühne zum „Versuchsplatz des Bauhauses“ vereinigt. Hier gab es im Gegensatz zur Arbeit in den Produktivwerkstätten verstärkt Raum für Experimente. Mit dem Umzug des Bauhauses nach Dessau wurde die Glasmalereiwerkstatt geschlossen.

Die frühen Arbeiten der Wandmalereiwerkstatt, die zunächst von Johannes Itten, Oskar Schlemmer und ab 1922 bis 1925 von Wassily Kandinsky geleitet wurde, umfassten die farbige Gestaltung von Spielzeug, Möbeln und Architektur. In Ermangelung anderer Aufträge bestand die erste architekturgebundene Aufgabe der Werkstatt in der Ausmalung der Flure und der Kantine des Weimarer Bauhausgebäudes nach Vorgaben Ittens. Anlässlich der Bauhaus-Ausstellung von 1923 wurden verschiedene Projekte umgesetzt: Für das Werkstattgebäude des Bauhauses konzipierte Oskar Schlemmer figürliche Reliefs und Wandmalereien, die das Thema „Mensch“ bzw. „Bewegungsarten“ behandelten. Wassily Kandinsky ließ an den Wänden der Werkstatträume die Bandbreite des Unterrichts dokumentieren, der sowohl handwerkliche Fragen als auch die psychologische Wirkung der Farben einschloss, Einige Studenten gestalteten zudem ausgewählte Bereiche des Kunstschulgebäudes in unterschiedlichen Techniken. Die Wandbilder von Herbert Bayer im Nebentreppenhaus des Hauptgebäudes sowie die farbigen Wandfassungen im „Haus Am Horn” von Alfred Arndt und Josef Maltan entstanden ebenfalls in diesem Zusammenhang

Die von Gropius entworfenen Meisterhäuser in Dessau wurden mittels der von den Meistern eigens für ihre jeweiligen Häuser entwickelten Farbkonzepte individuell gestaltet. Von 1925 bis 1933 leitete Hinnerk Scheper die Wandmalereiwerkstatt, in welcher er zuvor ausgebildet worden war. Er legte Wert darauf, Farbe nicht als Gestaltungselement dominieren zu lassen, sondern sie in Abhängigkeit zur Architektur einzusetzen.  Für ihn sollte der Charakter des Anstrichs der Funktion der Architekturelemente entsprechen. Die Nutzung der Farbe als Leit- und Orientierungssystem war ein weiterer Ansatzpunkt Schepers, der sich von 1929 bis 1931 in Moskau aufhielt. Hier baute er eine Beratungsstelle für sein Fachgebiet auf und leitete ein Entwurfsbüro. Während Schepers Abwesenheit übernahm Alfred Arndt die Leitung der Wandmalereiwerkstatt. Obwohl das Bauhaus der Verwendung von Tapeten sehr kritisch gegenüberstand, gelang es der Firma Rasch aus Hannover 1929, einen Exklusivvertrag mit der Schule abzuschließen. Entscheidendes Argument dabei war, dass der Einsatz von industriell hergestellten Tapeten eine kostengünstige und zeitgemäße Wandgestaltung im Siedlungsbau ermöglichte. Die studentischen Entwürfe für das erfolgreichste Standardprodukt des Bauhauses fußten auf den in der Werkstatt für Wandmalerei erzielten Erkenntnissen, wie beispielsweise zu Strukturen und den Wechselwirkungen von Oberflächen und Farben.