Vorkurs Johannes Itten

Als einen der ersten Meister hatte Walter Gropius den Schweizer Maler und Kunstpädagogen Johannes Itten an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Von 1919 bis 1923 prägte Itten mit dem von ihm entwickelten Vorkurs die gestalterische Grundlagenausbildung am Bauhaus. Aufgrund der von Gropius ab 1922 betriebenen stärkeren Hinwendung zur Technik verließ Itten die Schule.

Aufbauend auf seinen Studien bei Adolf Hölzel an der Kunstakademie in Stuttgart leitete Johannes Itten in Wien 1918 seine private Kunstschule und konzipierte am Bauhaus einen zeitgemäßen Unterricht aus den Erkenntnissen der Reformpädagogik und der künstlerischen Avantgarde. Statt wie an traditionellen Kunstakademien die Schüler zunächst zum Kopieren von Vorlagen anzuhalten, ermunterte Itten seine Schüler zu eigenem subjektiven Empfinden und kreativem Gestalten. Sein Unterricht gliederte sich in drei Teile: Natur- und Materialstudien, wozu auch Farb- und Formenlehre zählten, Analysen alter Meister sowie das Aktzeichnen.

Zu Beginn des Unterrichts ließ Itten seine Schüler Konzentrations-, Atem- und Rhythmusübungen ausführen, deren Schwung in das gestalterische Arbeiten einfließen sollte. Er ließ sie Materialstudien und Kontrastübungen anfertigen, die die Schüler selbst bewerten mussten. Dabei legte er Wert auf subjektives Erkennen und objektives Erfassen. Erst nach Bestehen des Vorkurses durften die Schüler eine Werkstatt für ihr Studium auswählen.

Itten, der von manchen Studenten und Kollegen am Bauhaus aufgrund seiner exzentrischen Kleidung und seiner Befolgung des Mazdaznan-Kultes belächelt wurde, einer auch in Europa agierenden amerikanischen Sekte mit christlichen, zarathustrischen und hinduistischen Elementen, hat dennoch die pädagogische Vermittlung gestalterischer Grundlagen bis heute geprägt.