Lehre

Die Ausbildung am Bauhaus erfolgte nach einem von Walter Gropius festgelegten Schema. Im Vorkurs erhielten die Studierenden die Grundausbildung über die Beschaffenheit von Farbe, Form und Material. Kern der weiteren Lehre war die Arbeit in den Werkstätten, die in Weimar von einem Formmeister und einem Werkmeister geleitet wurden. All dies diente der Vorbereitung auf die Baulehre, die im Zentrum der Ausbildung stand. Am Bauhaus unterrichteten einige der bedeutendsten Künstler ihrer Zeit. Außerhalb des künstlerischen Kanons wurden auch Fächer wie Geometrie, Mathematik und Betriebswirtschaftslehre angeboten.

Der eigentlichen Bauhauslehre in den Werkstätten vorgeschaltet war der Vorkurs, ein Probesemester, in dem die persönliche Eignung des Studierenden getestet und die handwerklichen und gestalterischen Grundlagen vermittelt wurden. Noch heute wird der berühmte Vorkurs in der Prägung von Johannes Itten als stellvertretend für die sogenannte Bauhaus-Pädagogik bezeichnet. Nach der inhaltlichen Auseinandersetzung zwischen Itten und Gropius über die grundsätzliche Ausrichtung des Vorkurses wurde dieser schließlich 1923 von László Moholy-Nagy übernommen, der ihn grundlegend umstrukturierte. Eine von Josef Albers aufgebaute Werklehre unterstützte ab 1923 die Arbeit des Vorkurses. Im Vorkurs entstanden Arbeiten, deren Qualität und Eigenart über die endgültige Aufnahme in eine der Werkstätten entschied.

Aus den Professoren waren am Bauhaus Meister geworden, statt in der Akademie wurde in Werkstätten gearbeitet. Diese bildeten das Herzstück der Ausbildung und wurden in Weimar schrittweise bis 1921 aufgebaut. Zu den profilbestimmenden gehörten hier die Tischlerei, Weberei, Töpferei, Wandmalerei und die Metallwerkstatt. Darüber hinaus wurden Studierende in der Bildhauerei, Glasmalerei, Buchbinderei und der Graphischen Druckerei ausgebildet.

Mit der Arbeitsaufteilung zwischen Bildendem Künstler als Formmeister der Werkstatt und dem Handwerksmeister wurde ein duales Ausbildungsprinzip eingeführt, das nur in der Weimarer Zeit des Bauhauses Bestand hatte. Während die Gesamtleitung der Werkstatt in der Hand eines Künstlers lag, der besonders für die Formerneuerung und die Einbringung kreativer Ideen verantwortlich war, oblag dem Handwerksmeister die technische Werkstattleitung und die handwerkliche Ausbildung.

In der Dessauer Zeit konnten in den Weimarer Werkstätten gleichermaßen künstlerisch wie handwerklich ausgebildete Jungmeister die Leitung übernehmen. Zusammenarbeit spielte in den Werkstätten eine bedeutende Rolle, technische und formale Experimente wurden auf breiter Ebene durchgeführt. Praktische Funktionstests und die kreative Nutzung neuester technologischer Möglichkeiten gehörten ebenfalls zum Ausbildungsprogramm der Werkstätten. Bereits in Weimar wurden in der Keramikwerkstatt Prototypen für die industrielle Fertigung gemäß der von Walter Gropius 1923 propagierten These „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ entwickelt.

Der Unterricht von Paul Klee und Wassily Kandinsky begleitete und ergänzte die Ausbildung über den Vorkurs hinaus, zudem wurde die Arbeit in den Werkstätten durch Unterricht in nichtkünstlerischen Fächern wie Mathematik und Baustofflehre begleitet.

Der Umzug nach Dessau brachte eine Umbenennung zur Hochschule für Gestaltung mit sich, das Studium wurde nun nicht mehr mit dem Gesellenbrief sondern mit dem Diplom abgeschlossen, der theoretische Unterricht auf eine breitere Basis gestellt. Unter dem zweiten Direktor Hannes Meyer wurden so zum Beispiel die Ingenieurwissenschaften ins Lehrprogramm eingebunden. Es gab nun regulären Unterricht in Chemie, Fachzeichnen, Statik, Psychologie, Betriebslehre und anderen Fächern. Hannes Meyer organisierte auch die „vertikalen Brigaden”, in denen Studierende verschiedener Ausbildungsstufen an einem Projekt arbeiteten, vom Entwurf bis zur Baustelle. Außerdem wurden verstärkt Fachleute zu Gastvorträgen eingeladen. Zu den Dozenten gehörten unter anderen die Philosophen Rudolf Carnap und Otto Neurath, der Psychologe Karlfried Graf Dürckheim und der Kunsthistoriker Karel Teige. Unter dem dritten Direktor Ludwig Mies van der Rohe entwickelte sich das Bauhaus zu einer Art Technischer Hochschule für Architektur mit zuarbeitender Kunst- und Werkstattabteilung.