Bauhaus Weimar

Das Bauhaus wurde am 1. April 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet. Gropius vereinigte die ehemalige Großherzogliche Kunsthochschule und die von dem belgischen Designer Henry van de Velde begründete Großherzoglich Sächsische Kunstgewerbeschule zum Staatlichen Bauhaus Weimar, das sich nach einem eher national orientierten Anfang bereits 1923 international profilierte. Walter Gropius berief hochkarätige Künstler als Meister an das Weimarer Bauhaus, darunter Gerhard Marcks, Lyonel Feininger, Johannes Itten, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy. Internationalität, Weltoffenheit und künstlerische Vielfalt kennzeichneten seine Berufungspolitik. Das Bauhaus wurde während seines Bestehens in Weimar bis Ende März 1925  zu einem wichtigen Treffpunkt der europäischen Avantgarde.

Sowohl in seinem Programm des Staatlichen Bauhauses Weimar als auch in seinem Manifest forderte Walter Gropius einen Neubeginn der Baukultur, der für die damalige Zeit visionäre Züge trug. Die Kunst sollte wieder gesellschaftlichen Aufgaben dienen, die Trennung in einzelne kunsthandwerkliche Disziplinen sollte aufgehoben werden. Statt akademischer Lehre setzte das Bauhaus auf ein pluralistisches Bildungskonzept, auf schöpferische Methoden und die individuelle Entfaltung gestalterischer Talente der Studierenden. Akademische Zugangsbedingungen wurden aufgehoben, jeder begabte junge Mensch sollte am Bauhaus in Weimar studieren können, unabhängig von Schulabschluss, Geschlecht oder Staatszugehörigkeit. Rund 150 bis 200 Studierende waren am Weimarer Bauhaus eingeschrieben, darunter je nach Semester 25 bis 50 % Frauen und 17 bis 33 % ausländische Studierende.

Ausgehend von Manifest und Programm des Bauhauses entwickelten die Bauhaus-Meister in Weimar ein neuartiges Lehrprogramm mit dem vom Schweizer Künstler und Kunstpädagogen Johannes Itten konzipierten Vorkurs, der berühmten Formen- und Farbenlehre von Paul Klee und Wassily Kandinsky sowie der praktischen Ausbildung in den Werkstätten. Ziel der Ausbildung war die gemeinsame Arbeit am repräsentativen Bau, einem „Gesamtkunstwerk“, dem  „Einheitskunstwerk“ wie Gropius es nannte, an dem alle Werkstätten des Bauhauses beteiligt sein sollten.

Das erste Signet des Bauhauses, das sogenannte Sternenmännchen von Karl Peter Röhl, entstand 1919 in einem Schülerwettbewerb und wurde 1922 vom Signet Oskar Schlemmers abgelöst, das sowohl zur Markierung der Bauhaus-Produkte als auch für alle wichtigen Drucksachen der Schule genutzt wurde. Im Mittelpunkt aller Bemühungen der Schule sollte der Mensch stehen, so die Aussage des eindrucksvollen Schlemmer-Signets.

Der eigentlichen Bauhauslehre in den Werkstätten vorgeschaltet war der Vorkurs, ein Probesemester, in dem die persönliche Eignung des Studierenden getestet und die handwerklichen und gestalterischen Grundlagen vermittelt wurden. Das Herzstück des Weimarer Bauhauses bildeten die Werkstätten, die schrittweise bis 1921 aufgebaut wurden.

Eine pädagogische Besonderheit am Weimarer Bauhaus war die Bühnenwerkstatt unter Leitung von Lothar Schreyer zwischen 1921 und 1923 und unter der  Führung von Oskar Schlemmer von 1923 bis 1925. Die Bühnenabteilung galt als eine Intergrationswerkstatt, in der das gesamte Spektrum der darstellenden Künste disziplinübergreifend gefördert wurde.

In ihrer Geschichte war das Bauhaus wie keine andere deutsche Bildungseinrichtung eng mit den politischen, sozialökonomischen und kulturellen Entwicklungen der Weimarer Republik verbunden. In Weimar durchlebte das Bauhaus einen expressionistischen, zum großen Teil auch esoterisch beeinflussten Beginn, der vor allem mit der Persönlichkeit von Johannes Itten verbunden war.

1923 wurde von Walter Gropius ein entscheidender Kurswechsel am Weimarer Bauhaus eingeleitet. Theo van Doesburg, niederländischer De Stijl-Künstler und -Propagandist, hatte auf diese Entwicklung wie ein Katalysator gewirkt, ferner auch die Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus und mit den Erfordernissen einer technikorientierten Welt. In diesem Zusammenhang setzte sich eine pragmatische, funktionale Haltung durch, die am Bauhaus aber nicht kritiklos aufgenommen wurde. Zweifellos förderte diese neue Ausrichtung bereits in Weimar einen neuen Produktivitätsschub, der zahlreiche Designklassiker wie beispielsweise die berühmte Bauhaus-Lampe von Jucker und Wagenfeld hervorbrachte. Die Bauhaus-Ausstellung 1923, erste große Selbstdarstellung des Bauhauses, sollte diese neue Ausrichtung der Öffentlichkeit eindrucksvoll vermitteln. Das „Haus am Horn” entstand in diesem Zusammenhang als erstes erhaltenes architektonisches Zeugnis des frühen Bauhauses in Weimar.

Das Bauhaus stand vom Tag seiner Gründung an im Kreuzfeuer unterschiedlicher politischer Ausrichtungen. Die rechten Parteien nannten es utopisch und bolschewistisch. In der Stadt schossen völkisch-nationale Politiker rhetorische Salven gegen die Schule ab. Auch im linken Spektrum äußerte sich erste Kritik. Grundsätzlich förderte die Landesregierung zwischen 1919 und 1923 Gropius’ Pläne. Bei den Wahlen 1924 erzielte der rechte Thüringer Ordnungsbund die Mehrheit im Landtag. Der Etat des Bauhauses wurde umgehend um die Hälfte gekürzt, die Verträge der Lehrenden zum 31. März 1925 aufgehoben. Gropius und die Meister des Bauhauses kündigten in einem Akt von Selbstbehauptung im Dezember ihrerseits. Verschiedene Städte signalisierten ein Interesse an der Übernahme des Bauhauses. Die SPD-regierte Stadt Dessau wurde schließlich von den Lehrenden aufgrund ihrer ausgezeichneten wirtschaftlichen Perspektiven favorisiert.

Nach dem Wegzug nach Dessau übergab Walter Gropius 1925 den damaligen Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar 160 Werkstattarbeiten, die am Staatlichen Bauhaus in Weimar entstanden waren. Damit verfügt Weimar über die älteste autorisierte Bauhaus-Sammlung weltweit.