Idee und Orte

Die dem Bauhaus zugrunde liegende, von Walter Gropius formulierte Idee war der Wunsch, eine neue Einheit von Handwerk, Kunst und Technik zu schaffen, die die Voraussetzung für die Realisierung eines Gesamtkunstwerks bieten sollte. Um diese Einheit zu erreichen, sollten künstlerisch begabte Menschen an einer interdisziplinär arbeitenden und international ausgerichteten Schule unterrichtet werden. Daher stand am Bauhaus eine Kombination aus Forschung, Lehre und Praxis auf dem Stundenplan, die an den gleichzeitig bestehenden Akademien und Kunstgewerbeschulen nicht angeboten wurde.

Walter Gropius, Gründer und erster Direktor des Bauhauses, hielt in seinem Gründungs-Manifest aus dem Jahr 1919 dem zeitgenössischen Kunstbetrieb, dessen Produkt er als arbeitsteilige, ideenlose Salonkunst sah, das bewusste „Mit- und Ineinanderwirken aller Werkleute“ entgegen. Mehr als eine bauliche oder handwerkliche Vision, ist das Gropius-Manifest von einer erzieherischen Vision geprägt, die den jungen, noch formbaren Künstler im Fokus hat: „Wenn der junge Mensch, der Liebe zur bildnerischen Tätigkeit in sich verspürt, wieder wie einst seine Bahn damit beginnt, ein Handwerk zu erlernen, so bleibt der unproduktive ‚Künstler‘ künftig nicht mehr zu unvollkommener Kunstübung verdammt ...“.

 Ziel der Verbindung von Kunst und Handwerk, deren Vorbild Gropius in der Zusammenarbeit der Gewerke in den Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen sah, war die Schaffung des Gesamtkunstwerks. Durch die Realisierung von Kunstwerken, die durch das Zusammenwirken der Bildenden- und der Darstellenden Künste sowie der Musik entstanden, sollte nicht ein auf seine reine ästhetische Bedeutung beschränktes Werk entstehen, sondern die Umwandlung der sozialen Wirklichkeit zu einer erneuerten Gesellschaft unterstützt, wenn nicht gar bewirkt werden. So wie die Bauhütten den Kathedralen-Bau erst ermöglichten, so sollte sich das Bauhaus als Versuchslabor eines Baus der Zukunft verstehen. Dass Gropius vier Jahre später eine neue Einheit aus Kunst und Technik beschwor, sollte an der Grundidee nichts ändern.

 So unterschiedlich die Kunstgattungen, die Stilrichtungen und die prägenden Persönlichkeiten waren, das historische Bauhaus blieb bis zu seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten ein synergetisches Projekt. In diesem Sinn hat es auch keinen oft irrtümlich zitierten „Bauhaus-Stil“ gegeben. Verbindlich für das historische Bauhaus zwischen 1919 und 1933 war seine Programmatik, unter der in maximaler Verdichtung viele Stilrichtungen gleichzeitig angewendet wurden, vom Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit.